Laut Website ist "Schule.bewegt" ein Programm des Bundesamts für Sport BASPO in Zusammenarbeit mit verschiedenen Institutionen. Das Programm werde unterstützt von den Unternehmen Rivella und Sport Heart. Rivella gibt auf der Website des Programms folgende Selbstauskunft: "Rivella gehört zur Schweiz wie das Matterhorn! Rivella ist ein gesundes, natürliches und einzigartiges Erfrischungsgetränk. Seine ausgewogene Produkteformel basiert auf den Bestandteilen der Milch (Milchserum)." Es stellt sich die Frage, wie ein Getränk, das aus Wasser, Zucker und Milchserum besteht, gesund sein kann, und warum gerade Rivella ein geeigneter Partner bei der Förderung sportlicher Aktivitäten von Kindern und Jugendlichen sein soll. Grundsätzlich ist es problematisch, dass sich Unternehmen über solche Programme Zugang zu Schulen verschaffen und der Staat ihnen dabei die Tür aufhält. In ähnlicher Weise haben sich vor einiger Zeit Microsoft und Symantec in den Unterricht geschlichen, um ausgerechnet bei einer der Schlüsselqualifikationen ein Wörtchen mitzureden, der Medienkompetenz. Sowohl bei der Software als auch beim Erfrischungsgetränk können die Unternehmen ohne Wartezeit von ihren Investitionen profitieren. Ein "SharePoint Server" wird es bei 14-Jährigen nicht gleich sein, aber vielleicht ein Browser und ein Virenprogramm; dank der Links kann man von den Web-based Trainings direkt auf die Website des Konzerns springen. Und in der gleichen Altersgruppe wird gerne blau, rot oder grün getrunken, wobei grün "50 % weniger Zucker" enthält und blau kalorienreduziert ist, was die jungen Sportlerinnen und Sportler ohne Gewissensbisse konsumieren lässt. Ob auch gelb getrunken wird, soll an dieser Stelle nicht interessieren; das Unternehmen wird schon wissen, warum es nicht von Soja, dafür aber von Milch spricht (dabei würde es so gut passen, denn auf der Rivella-Website erfährt man zum "praktischen Unterwegskonsum-Gebinde": "Die aufmerksamkeitsstarke Etikette im knalligen Schwarz-Silber-Look widerspiegelt die Lebensfreude, Unabhängigkeit und Offenheit einer jungen und spontanen Zielgruppe."). Auf jeden Fall gehört Rivella zur Schweiz wie das Matterhorn, im Gegensatz zu Coca-Cola, und das wird ein wichtiger Grund gewesen sein, warum man dem Unternehmen die Schweizer Jugend verkauft hat. Sport Heart, dem "Club mit Herz für Sport", kann man immerhin noch eine fachliche Kompetenz zusprechen. Wobei die Frage ist, warum nicht unsere Schulen und Hochschulen selbst in diese Bresche springen. Sie müssten es sein, die den Kindern und Jugendlichen den Sport theoretisch und vielleicht auch praktisch nahebringen, und sie sollten sie auch medienkompetent und -kritisch machen. Natürlich geht es weniger um Kompetenzvermittlung durch die private Hand, sondern ums Geld, um den Nutzen der viel gepriesenen Public-Private-Partnerships (PPP). Natürlich hat die öffentliche Hand zu wenig Geld, um den Nachwuchs in angemessener Weise auszubilden. Und vielleicht ist das der eigentliche Skandal.