Diese Seite muss man sich anschauen. Die ganze Website müsste man sich anschauen. Aber schön der Reihe nach. Die Initiative "Deutschland sicher im Netz e.V." wurde hier bereits vorgestellt. Microsoft steckt dahinter, das Bundesministerium des Innern der Bundesrepublik Deutschland, das die Schirmherrschaft übernommen hat - und viele, viele wichtige Persönlichkeiten, die freundlicherweise ihren Namen zur Verfügung gestellt haben, ganz uneigennützig, der guten Sache wegen. Aber ist die Sache wirklich so gut? Oder ist es nur eine perfide Werbung eines Konzerns, der in mehreren Ländern bis in die Klassenzimmer vordringt? Aber nochmals der Reihe nach. Schauen wir uns einfach diese Seite an. Oben rechts prangt das Label, welches Unternehmen und Organisationen, die in den letzten Jahren durch hohe IT-Sicherheit aufgefallen sind, in ihre Website einbauen dürfen. studiVZ zum Beispiel. Auch Einrichtungen, die noch durch gar nichts aufgefallen sind, wie die "Internet-Beschwerdestelle". Diese ist zwar des Deutschen nicht mächtig, aber man soll ja auch keine Rechtschreibfehler (wie "Herzlich Willkommen", "aufgeommen" oder "Internet Service Providern") melden, sondern z.B. "illegale Inhalte" (wörtlich heisst es, man könne "Beschwerde über mobilen Inhalten" und "Beschwerde über sonstigen Inhalten" einreichen). Komisch, sind dafür nicht die Behörden zuständig? Hinter der Initiative stecken aber der "Verband der deutschen Internetwirtschaft eco und die Freiwillige Selbstkontrolle Multimediadiensteanbieter FSM". Weiter im Text bzw. im Bild: Ein Mann und eine Frau werden auf einem Foto gezeigt. Die Frau fühlt sich scheinbar sicher und aufgehoben. Kein Wunder, es ist ja ein Mann an ihrer Seite. Mit dem Bart könnte es sich fast um einen Informatiker handeln. Die Frau strahlt. So wie ihre weisse Bluse und das T-Shirt des Mannes. Also tatsächlich ein Informatiker. Das Foto auf der Seite hat den Blick auf sich gezogen, dabei wäre noch direkt unter dem Label etwas zu entdecken. Dort sind die Zielgruppen aufgeführt, an die sich die Website richtet. An erster Stelle: "Kinder und Jugendliche". Schliesslich sind die die zukünftigen Kunden. Ach was, die zukünftigen; ältere Kinder und Jugendliche können bereits jetzt von Microsoft-Produkten profitieren! Und da sie sich auf einer solchen sachbezogenen Website sicher fühlen und die sachbezogenen Informationen sich mit den produktbezogenen verlinken, liegt es doch nahe, das eine oder andere Programm zu kaufen. Für die Sicherheit! Und wenn es nur die wirtschaftliche Sicherheit von Microsoft ist! Links von dem Foto mit dem Informatiker und seinem Groupie fällt eine Art Ampel mit dem "Online Sicherheitsstatus" auf. Wahrscheinlich ist der "Online-Sicherheitsstatus" gemeint, aber das mit der Rechtschreibung ist nicht so wichtig. Es geht um mehr! Es geht um Sicherheit! Und die ist bedroht! Die Ampel steht auf gelb: "Erhöhtes Risiko"! Oh Gott, was kann man denn da tun? Das ist zum Glück gleich darunter angegeben: "Installieren Sie die neuen Microsoft-Updates". Über den hektisch angeklickten Link "Mehr Infos" gelangt man auf eine Informationsseite zu den Updates und von dort zur Microsoft-Website. Also auf die andere, die grosse. Denn Microsoft ist ja alles und überall. Und selbst wo Sicherheit draufsteht, ist Microsoft drin. Ach ja, am rechten Rand (ein dummer Zufall, nicht mehr) wird für den "MesseCampus" und den "Schulaktionstag" geworben. Klickt man auf das Bild zum "MesseCampus", wird man aufgeklärt: "DsiN bringt auf dem MesseCampus Studierende, Professoren und Vertreter der IT-Wirtschaft zusammen." Na, das ist doch super! Und bestimmt bekommen alle neben den "kurzen Vorlesungseinheiten" von "jeweils 9 Minuten" auch nette Geschenkchen, Kugelschreiber und Sticks und die Professoren noch mehr, zumindest dann, wenn der anschliessende "Besuch bei ausgewählten Ausstellern zum Thema IT-Sicherheit" erfolgreich verlaufen ist. Klickt man auf das Bild zum "Schulaktionstag", gelangt man zu den Informationen zum Medienkoffer, der bereits vorgestellt wurde. Und bei den News steht, dass beim "Schulaktionstag" Verbraucherschutzministerin Aigner (CSU) präsent war. Verbraucherschutzministerin? Müsste die nicht die Rechte der Verbraucherinnen und Verbraucher schützen? Und gehören zu denen nicht auch Jugendliche und Kinder? Egal, es sind harte Zeiten, in denen andere Gesetze gelten. Und andere Sitten. Hauptsache, Deutschland ist sicher im Netz!

Screenshot DsiN