Einen beachtenswerten Artikel legt Markus Hofmann mit der heutigen NZZ vor. In "Die bigotte Haltung der Fleischesser" geht er auf den Tiertransport in der EU ein. In der Unterüberschrift heisst es, in Anspielung auf eine aktuelle Petition: "Eine Million Europäer verlangt zu Recht, dass der Tiertransport in der EU auf acht Stunden zu beschränken ist. Damit ist es aber nicht getan." (NZZ, 13. Januar 2012) Nein, damit ist es nicht getan. Und entsprechend streicht der Autor heraus, dass die gegenwärtige Situation, in der "Tiere lediglich als Ware betrachtet und behandelt werden", "im Widerspruch zum europäischen Recht steht": "Im Vertrag über die Arbeitsweise der EU werden Tiere als empfindungsfähige Wesen definiert. Ihrem Wohlergehen muss in vollem Umfang Rechnung getragen werden – insbesondere auch im Bereich des Transports." (NZZ, 13. Januar 2012) Hofmann erwähnt mehrmals das Leiden der Tiere – und dieses ist seit Jeremy Bentham in der Tat ein zentrales Argument in der tierethischen Diskussion.

In den 80er-Jahren haben wir im Rahmen des Philosophiestudiums von Konstanz aus mehrere Ställe in der Schweiz besucht. Diese waren, im Rahmen der zu diskutierenden Ausnutzung des Tiers, vorbildlich umgesetzt. Hofmann skizziert die Vorzüge im Schweizer "Tierschutzrecht" und ihr höheres "Tierschutzniveau": "Hier wurde die Dauer der Transporte auf sechs Stunden begrenzt." (NZZ, 13. Januar 2012) Vorher gelangt er allerdings noch zu einem Schluss, den ich nicht mittragen kann: "Das Ziel muss sein, die Tiere möglichst nahe bei den Bauernhöfen zu schlachten." (NZZ, 13. Januar 2012) Nein, das Ziel muss sein, die Tiere möglichst gar nicht zu schlachten. Dafür reicht freilich das Argument des Leidens nicht mehr aus. Wir müssen den Tieren einen Wert an sich zusprechen. Das ist schwierig, wie bei den Menschen, aber durchaus möglich.

Ich bin gegen eine vorschnelle Intervention des Staats. Die Piraten fordern, dass in eingetragenen Partnerschaften mehr als zwei Personen zugelassen werden. Das finde ich richtig; es gibt keinen Grund, einer Frau das Zusammenleben mit zwei oder drei Männern oder Frauen zu verbieten, bei gleichzeitiger Regelung von Versicherungs- und Versorgungsansprüchen. Im Falle der Tiertransporte und auch der Tötung von Tieren bin ich für eine Intervention. Um es klar auszusprechen: Das Töten von Tieren gehört unter Strafe gestellt. Ausnahmen bestätigen die Regel; natürlich darf ich mich wehren, wenn ich von Wölfen oder Bären angegriffen werde. Aber Fleischkonsum ist eben keine Privatsache wie das Zusammenleben von Menschen. Vom Fleischkonsum betroffen sind Dritte, nämlich die Tiere. Das Recht auf Leben an sich möchte ich nicht weiter begründen; ich bin in anderen Beiträgen darauf eingegangen. Mein Vorschlag an dieser Stelle ist ein generelles Verbot des Quälens und Tötens von Tieren in unseren Industrieländern.

Am Ende des Artikels ist eine Forderung zu lesen, die ich nur unterstützen kann: "Wer das Leiden der Tiere verringern will, der unterschreibe Petitionen zur Verbesserung der Tierhaltung. Er überdenke aber vor allem auch grundsätzlich seinen eigenen Fleischkonsum." (NZZ, 13. Januar 2012) Schon dieses "er" ist von Markus Hofmann richtig gewählt; das Problem sind vor allem die Männer. Frauen sind oft und gerne bereit, ihren Fleischkonsum zu verringern oder einzustellen. Zu ergänzen wäre: Er bzw. sie schreibe Artikel wie diese und engagiere sich im Tierschutz und für ein neues festgeschriebenes Tierrecht. Dass der Staat nämlich von sich aus auf gravierende Änderungen kommen würde, ob in der EU oder in der Schweiz, ist nicht zu erwarten.