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Archiv der Einträge: Maerz, 2012
  • Ein Opfer des Glaubens: Zu den Morden von Toulouse

    Die Gratiszeitung 20 Minuten berichtete am 21. März 2012 über die Morde von Toulouse: "Vier Opfer waren jüdischen Glaubens, die drei anderen nordafrikanischer Abstammung." Bekanntlich haben Richard Dawkins und Michael Schmidt-Salomon die Rede von jüdischen, christlichen und moslemischen Kindern kritisiert. Nun haben diese Adjektive jeweils unterschiedliche Bedeutungen. Dass jemand christlich ist, kann zum Beispiel bedeuten, dass er getauft wurde oder Mitglied der Kirche ist. Es kann auch bedeuten, dass er dem christlichen Glauben anhängt. Dass jemand jüdisch ist, kann zum Beispiel bedeuten, dass er eine jüdische Mutter hat etc. Gerade weil die Bedeutungen so unterschiedlich sind – jemand kann getauft, ja sogar Mitglied der Kirche und trotzdem Atheist sein –, sollte man vorsichtig mit diesen Begriffen umgehen.

    Die grösste Schweizer Zeitung geht einen Schritt weiter. Sie sagt, dass die vier Ermordeten jüdischen Glaubens seien. Ermordet wurden ein Erwachsener, Lehrer von Beruf, und drei Kinder; zwei der Kinder stammten von ihm. Die Kinder waren sehr jung, nämlich drei, sechs und zehn Jahre alt. Waren sie wirklich jüdischen Glaubens? Ich denke, dass man hier sehr vorsichtig sein muss. Vielleicht wurden sie im Sinne des jüdischen Glaubens erzogen. Vielleicht haben sie eine jüdische Mutter. Aber was ihre Überzeugung angeht, muss man ihrem Kindsein Rechnung tragen. Kinder haben auch keine sozialdemokratische Gesinnung; es gibt keine republikanischen oder demokratischen Kinder. Auch darauf hat Dawkins in treffender Weise hingewiesen.

    Das Fatale ist, dass man die Kinder mit einer solchen Redeweise in das grausame Spiel der Erwachsenen einbezieht. Sie mussten eben sterben, weil sie jüdischen Glaubens waren. Weil sie einer anderen Überzeugung als der Mörder waren. Weil Menschen jüdischen Glaubens Kinder islamischen Glaubens getötet haben. Letzten Endes übernehmen die Medien die Logik des Mörders. Denn dieser glaubte wirklich, dass Kinder jüdischen, christlichen oder islamischen Glaubens sein können. Und genau deshalb schlachtete er die Kinder, die einfach Kinder waren, ab.

  • Angriff von unten: Tiefgreifende Veränderungen durch elektronische Literatur

    Der Artikel "Angriff von unten" befasst sich mit den tiefgreifenden Veränderungen auf dem Literaturmarkt durch die voranschreitende Verbreitung von elektronischer Literatur. Er zeigt auf, dass die Impulse vor allem "von unten" kommen, vorbei am traditionellen Literaturbetrieb. Dieser befasst sich erst allmählich mit den neuen Formaten, Plattformen und Vertriebswegen. Die Autoren erstellen das Portfolio der elektronischen Literatur zweier Länder, Japans und Deutschlands (und am Rande der deutschsprachigen Schweiz). Japan deshalb, weil elektronische Literatur dort inzwischen einen hohen Stellenwert hat, auch für den Buchmarkt. Deutschland und Schweiz, weil sich hier ähnliche Strukturen entwickelt haben, deren Erforschung in den Händen der hiesigen Wissenschaftler und des Literaturbetriebs liegt. Die Autoren gelangen zu dem Schluss, dass im "Schreiben 2.0" insgesamt viel Potenzial steckt. Es gilt daher, die aktuellen Entwicklungen zu erfassen, zu bewerten und zum gegenseitigen Austausch aufzufordern. Der Artikel ist in Libreas erschienen, der elektronischen Zeitschrift für Bibliotheks- und Informationswissenschaft an der Humboldt-Universität, und steht online zur Verfügung.

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