Seit 25 Jahren werbe ich im Ausland für die Schweiz. Immer wieder habe ich auf die grossen Errungenschaften hingewiesen, auf den freien, aufgeschlossenen Geist, der durch dieses Land wehte und weht. In letzter Zeit kommen vermehrt Nachfragen, was in der Schweiz los sei. Man fragt, ob es einen Rechtsruck gegeben hat. Man fragt, wie es zu dem einen oder anderen ausländerfeindlichen Beitrag in den Medien gekommen ist.

Die Schweiz muss, das ist meine Überzeugung, ernst genommen werden, und zwar im Guten wie im Schlechten. Mit einer Heidi-Romantik wird man den Eidgenossen nicht gerecht, und wenn sich die Eidgenossen auf diese Weise verkaufen, tun sie sich keinen Gefallen. In der Politik hat die Schweiz einen rasanten, einen beeindruckenden Wandel vollzogen. Von der Nichtbeachtung der Frau als Bürgerin zu einer Vielbeachtung der Frau als Politikerin.

Ja, es hat einen Rechtsruck gegeben. Ja, man reagiert zunehmend genervt auf die Einwanderer. Ja, der Ton wird schärfer in den Medien. Aber zugleich hat es einen anderen Ruck gegeben. Es wurde eine Zeitung wie die TagesWoche gegründet. Ein Verein wie Kunst + Politik. Man distanziert sich, nicht nur als politischer Gegner, von Figuren wie Blocher. Es erwacht eine Schweiz, die grosse Zeiten erlebt hat und die gerade Künstlern und Intellektuellen einen Platz, in manchen Fällen auch eine Heimat gegeben hat.

Die Schweiz muss ernst genommen werden. Hier wird Politik gemacht, für ganz Europa. Der neue Eklat zeigt es: Die osteuropäischen Staaten, auf die die Ventilklausel angewandt wurde, entrüsten sich über die Diskriminierung, und sie entrüsten sich zu Recht. Zugleich hat die Schweiz das Recht, die Einwanderung zu beschränken. Sie soll dies tun, ganz unaufgeregt, und ohne dass die Medien ihren Hass über die Ausländer ausschütten. Wir müssen zusammenrücken in Europa, und ich glaube, dass die Schweiz in guter, alter Tradition ihren Beitrag dazu leisten kann.