Die NZZ war bis vor kurzem für eine gepflegte Sprache bekannt. Zuweilen hatte man es mit der Pflege sogar übertrieben: Man wies die Leserinnen und Leser über eine Kursivsetzung auf die wesentlichen Inhalte hin bzw. betonte dadurch, was aus Sicht der Zeitung zu betonen war.

Die goldenen Zeiten könnten nun auch in sprachlicher Hinsicht vorbei sein. Natürlich macht eine Schwalbe noch keinen Frühling und schon gar keinen Sommer, und ein Deppenleerzeichen macht noch keine Klolektüre. Aber am 30. April 2012 musste der Leser von NZZ Online - es gilt ja die verschiedenen Kanäle zu unterscheiden - mit Erstaunen diese Überschrift zur Kenntnis nehmen:

Deppenleerzeichen (Titel)

Er durfte rätseln, was mit dieser Lücke gemeint war. Vielleicht die soziale Mediennutzung? Im Artikel ging es noch rätsel- und lückenhafter weiter:

Deppenleerzeichen

Solche Schreibweisen versuche ich jeden Tag meinen Studierenden auszutreiben. Ich glaube, ich habe den Kampf verloren. Aber was haben Sie denn, werde ich zu hören bekommen, die NZZ schreibt doch genauso! Die NZZ Online, werde ich zu präzisieren versuchen, aber sie werden nur lachen. Ich hoffe, dass die alte Tante des Journalismus nicht senil geworden ist. Als sie jünger war, hat sie mir auf jeden Fall besser gefallen.

Update um 11.22 Uhr: Schön, dass mein Blog gelesen wird! Inzwischen ist alles korrigiert. Ich habe noch Hoffnung. Und eine neue Grundlage für die Diskussion mit meinen Studierenden.