Die Stadt, die sogar Geld findet, um Kunstwerke von Harald Naegeli zu zerstören, opfert nun, zusammen mit dem Trägerverein, das berühmte Cabaret Voltaire. Dort entstand vor bald 100 Jahren der Dadaismus und in den letzten Jahren, sozusagen im Zeichen des Postdadaismus, unüberhör- und unübersehbare Aktions- und Konzeptkunst. Immer wieder haben Leute den Co-Direktor Philipp Meier abzuschiessen versucht, die von Kunst so viel verstanden wie ein Geissbock. Es ist ihnen nicht gelungen, und doch dürften sie in diesen Tagen fröhlich meckern, denn die einstige Weltstadt Zürich ist wieder ein bisschen mehr das Dorf geworden, das sie sich von Herzen herbeiwünschen.
Gelungen ist es dem schnöden Mammon, und so wird man in Zürich bald nur noch etablierte und arrivierte (und hochsubventionierte) Kunst bewundern können, in den städtischen Museen, auf den städtischen Bühnen, mit dem gebührenden Abstand, um den sich Philipp Meier nie geschert hat. Er war direkt, er war mutig, und zwar auf kunstvolle und multimediale Weise. Und nun wird ausgerechnet aus dem Cabaret Voltaire ein Museum, wird der Dadaismus zur Geschichte, ist die Geschichte zu Ende erzählt. Hugo Ball, Emmy Hennings, Hans Arp, Tristan Tzara, Marcel Janco, Richard Huelsenbeck und all die anderen Exilanten würden sich im Grabe umdrehen.
Richard Huelsenbeck - genauer gesagt seine Gedichte - habe ich in einen Roman eingearbeitet, im Auftrag des Cabaret Voltaire. Ganz normales Product Placement, wie es in manch anderem Roman stattfindet, aber öffentlich kommuniziert und experimentell durchgeführt. Der Betrag war eher symbolisch; uns, Philipp Meier und mir, ging es um die Sache. Kurze Zeit davor durfte ich im Cabaret Voltaire vortragen und -lesen, in dem alten Haus, an dessen Tür ich mit 17 Jahren stand und vor dem ich ausgerufen hatte: "Ich will hier rein!"
Ich durfte 2010 rein, mit fast 42 Jahren, weil sich Philipp Meier acht Jahre lang engagiert und aufgeopfert und Künstlerinnen und Künstlern jenseits des bürgerlichen Betriebs eine Bühne geboten hat (eine solche wird zwar weitergeführt, aber unter anderen Bedingungen). Dafür kann man ihm nicht genug danken, und es ist zu hoffen, dass er eine neue Heimat finden wird, und zwar eine, die sich ihm würdig erweist.





















