Bekanntlich favorisiert Viviane Reding die Frauenquote für Europa. Ich stimme ihr in vielen ihrer Punkte - die sie etwa in einem Interview mit der Süddeutschen Anfang Juli angesprochen hat - zu. In der Vergangenheit habe ich die Meinung vertreten, dass wir eine Männerquote brauchen. Das Problem seien nicht die Frauen, sondern die Männer. Das sehe ich immer noch so, doch kann ich mir auch eine Männer-Frauen-Quote vorstellen. Ich schlage 70 Prozent vor. Das ist reine Willkür und doch eine deutliche Ansage: Es dürfen in bestimmten Kontexten, etwa in Führungsgremien bestimmter Unternehmen, nicht mehr als 70 Prozent Männer oder Frauen sitzen. Dabei muss die Grösse des Unternehmens eine Rolle spielen, unter Umständen auch die Art bzw. die Branche. Vielleicht lässt sich in der Sexindustrie nicht immer ein hoher Anteil von Managerinnen durchsetzen.

Reine Willkür, habe ich gesagt, und doch nicht ganz: Wenn beispielsweise 80 oder 90 Prozent der Mitglieder im Verwaltungsrat männlichen Geschlechts sind, entsteht sozusagen ein Anfangsverdacht. Es kann Zufall sein, muss aber nicht. Man muss näher hinschauen, muss die Ursachen herausfinden. Bei 60 Prozent muss man keine Ursachenforschung betreiben. Es wird schwer sein, eine Gerechtigkeit herzustellen, die diesen Namen verdient und die Wertschätzung aller Beteiligten erfährt. Dennoch braucht es eine Quote. Nur sollten wir auf Aufzählungen wie "Frauen, Kinder und Behinderte" verzichten; diese werden keiner dieser Gruppen gerecht. Und Testosteronopfer wie Gerhard Schröder machen gerne "Frauen und Gedöns" daraus.

Nun klingt "Männer-Frauen-Quote" nicht besonders sexy. Zu lang, zu sperrig, zu sehr Kompositum. Man muss die Quote ja auch an den Mann bzw. die Frau bringen. Vielleicht könnte man von einer Quote für Führungskräfte sprechen, in der Schweiz von einer Kaderquote. Dann wäre allerdings das Geschlecht eliminiert. Es wäre also unklar, worauf sich die Quote bezieht. Vielleicht wäre der Begriff der Geschlechterquote treffend. Es gibt die Geschlechterrollen (die es zu hinterfragen gilt) und die Geschlechterforschung (die dazu beiträgt, die Geschlechterrollen zu hinterfragen). Wer es englischer mag, kann von Genderquote sprechen (ein Begriff, der auch von Reding benutzt wird). Damit wäre auch klar, wer im Unternehmen für die Einhaltung der Quote sorgen könnte, nämlich der oder die Genderbeauftragte.