"Schweizer gesucht und bevorzugt" – so lautet der Titel eines empfehlenswerten Artikels von Katharina Bracher in der NZZ am Sonntag vom 15. Juli 2012. In einem Stelleninserat der Universität Zürich heisse es: "Bewerbungen von Schweizern/-innen [!] sind ausdrücklich erwünscht und werden bei gleicher Eignung bevorzugt" (NZZ am Sonntag, 15. Juli 2012). Da die Anzeige auf der Website der Universität nicht vorrätig ist, muss man Google bemühen. Im Cache sieht man ein PDF-Dokument des Soziologischen Instituts. Der originale Text lautet ein wenig anders: "Bewerbungen von Schweizer/Innen [!] sind ausdrücklich erwünscht und werden bei gleicher Eignung bevorzugt behandelt".

Rektor Andreas Fischer hat laut NZZ am Sonntag "nichts gegen die Formulierung": "Man hört immer wieder, dass es gar nicht leicht sei, Schweizer Kandidierende zu finden, auch weil die Karrieremöglichkeiten ausserhalb der Universität hierzulande sehr gut sind" (NZZ am Sonntag, 15. Juli 2012). Das hört man in der Tat immer wieder, und es ist erfreulich, dass auch ein Rektor so etwas hört. Die Frage ist, ob man den Anteil einer Nationalität an einer Hochschule künstlich steigern muss. Anders als bei Frauen geht es nicht um Benachteiligungen und Machtfragen. Die Schweizerinnen und Schweizer haben sich selbst dazu entschlossen, in der Wissenschaft ihres eigenen Landes nicht übermässig präsent zu sein.

Die künftige Lehrstuhlinhaberin, eine deutsche Professorin, will namentlich nicht genannt werden. Natürlich kann man auch ihren Namen, wie den Text der Anzeige, innerhalb weniger Sekunden eruieren. Und er steht in der Anzeige selbst. Aber er sei an dieser Stelle nicht genannt und tut auch nichts zur Sache. Im Gegensatz zu einer Äusserung der Professorin: "Sie wünsche sich eine gute Durchmischung – nicht nur was die Nationalitäten anbelange, sondern auch Faktoren wie das Geschlecht und den Erfahrungshintergrund. Schliesslich sei wissenschaftlich belegt, dass mehr Diversität Teamleistungen erhöhe.“ Bringen Teams mit Mitgliedern unterschiedlicher Herkunft wirklich höhere Leistungen? Und wenn das der Fall ist: Liegt das nicht eher an der Qualifikation als an der Nationalität?

Genau dies ist der heikle Punkt: Seit jeher profitieren Hochschulen, gerade schweizerische, vom internationalen Austausch. Man nimmt sich, wenn man kann, die Besten der Welt. Die Schweiz drängt nun die ausländischen Studierenden zurück. Und zugleich gibt es, wie es scheint, auch Bestrebungen, ausländische Mitarbeitende zu vergraulen. Mehr als die Leistungen sollen die Pässe interessieren. Die Schweizer Hochschulen werden ihre Exzellenz verlieren, wenn sie diese nicht in den Mittelpunkt stellen. Ob zwei Bewerber gleich geeignet sind, ist schwer festzustellen; im Zweifel wird man sich auch für die Person entscheiden, die weniger geeignet erscheint, wenn der Pass der richtige ist. Dass Schweizerinnen und Schweizer bevorzugt werden, ist übrigens nicht ganz neu. In mehreren Hochschulen wurden die Verantwortlichen angewiesen, mehr Eidgenossen einzustellen. In manchen heisst es präziser, man wolle weniger Deutsche. Dass allerdings eine Hochschule die Bevorzugung schriftlich fixiert, dürfte noch für Diskussionen sorgen.